Die Geschichte des Wallfahrtsorts St. Georgenberg
Die Anfänge von St. Georgenberg verbergen sich im Dunkel ungeklärter historischer Ereignisse. Unter Fachleuten besteht jedoch Übereinstimmung, dass das bayrische Geschlecht der Rapotonen bereits im 10. Jahrhundert am Georgenberg eine Einsiedlerkolonie gründete. Daraus entwickelte sich eine klösterliche Genossenschaft, die durch Papst Innozenz II. die Regel des hl. Benedikt bekam.
Offizieller Geburtstag der Benediktinerabtei auf St. Georgenberg ist der 30. April 1138, als der Papst die Errichtung der Abtei und den ersten Abt bestätigte (übrigens zeitgleich mit Wilten).
1284 brannte das Kloster das erste Mal bis auf die Grundmauern nieder. 1448 und 1637 legte ein Großfeuer die Abtei erneut in Schutt und Asche. 1705 vernichtete eine Feuerwalze aus dem Vomperloch die Klosteranlagen ein viertes Mal. Nun verlegte der Konvent die Abtei nach Fiecht, an ihren heutigen Standort. Der Wiederaufbau in Georgenberg wurde erst zwei Jahrzehnte später in Angriff genommen, 1735 konnte die neu errichtete Kirche (die heutige) feierlich geweiht werden.
Die nächsten für das Land folgenschweren Ereignisse wie die Reformen Joseph II. und Napoleonischen Kriege überstand St. Georgenberg unbeschadet. In diesen unruhigen Zeiten beherbergte es wieder die aus Fiecht vertriebenen Mitglieder des Konvent.1941 wurde St. Georgenberg von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aufgelöst. Die Patres und Brüder mussten das Kloster und das Land verlassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte eine Zeit des Niedergangs der Gebäude und der Wallfahrt, ehe 1969 mit P. Benedikt Vollmann als Wallfahrtsrektor eine neue Blütezeit einsetzte, die heute noch andauert.
St. Georgenberg ist seit seiner Gründung ein Wallfahrtsort, wobei die Anziehungskraft im Lauf der 1000jährigen Geschichte wechselte:
1310 ereignete sich auf St. Georgenberg ein Blutwunder: Ein Priester habe – so die Legende – während der Messfeier an der Gegenwart Christi im Brot und im Wein gezweifelt. Daraufhin soll der Wein Farbe, Geruch und Geschmack menschlichen Blutes angenommen haben. Die Kunde verbreitete sich rasch, und die Menschen pilgerten zur Blutreliquie, die später in einer Monstranz, die heute noch zu bestimmten kirchlichen Anlässen gezeigt wird, aufbewahrt wurde.Ein weiterer Grund für Wallfahrten zum Georgenberg – vor allem im Mittelalter – war der reiche Reliquienschatz, den die Klosterkirche seinerzeit beherbergte. Ein Rest davon ist heute am Hochaltar unter dem Gnadenbild der Pieta zu sehen: In einem Strahlenkranz befindet sich ein Armknochen des hl. Georg, des einstigen Landespatrons von Tirol. St. Georgenberg war und ist aber auch Station für Jakobspilger auf dem Weg nach Santiago di Compostella. Deshalb stehen am Hochaltar zu Füßen des Gnadenbildes neben dem hl. Benedikt auch der hl. Jakobus.
Seit jeher aber war St. Georgenberg ein Marienwallfahrtsort. Ursprünglich stand das Gnadenbild in der bereits 1240 erwähnten Lindenkirche oberhalb der heutigen Georgskirche. Weil das alte Gnadenbild zu Beginn des 15. Jahrhunderts in den Wirren der Zeit verloren gegangen war, ließ der Konvent 1415 ein neues anfertigen, das mit höchster Wahrscheinlichkeit mit dem heutigen Gnadenbild identisch ist.
Diese Seite drucken