Die Wallfahrtskirche St. Georgenberg

Wallfahrtskirche St. GeorgenbergDie älteste Kirche auf dem St. Georgenberg war mit Sicherheit ein bescheidener Holzbau. Das Gotteshaus, das im Jahr 1204 geweiht wurde, dürfte der erste Steinbau und im romanischen Stil ausgeführt gewesen sein. An ihn erinnern heute nur noch einige Bruchstücke mit Blattornamenten und Rosetten, die bis zur Renovierung im Jahr 1990 in die Stützmauer vor der Kirche eingesetzt waren und heut zum Teil im Stiftsmuseum im Talkloster gezeigt werden.
Auf dem Berg gibt nur mehr das in die Mauer des Gastgartens eingesetzte Bruchstück aus weißem Marmor Hinweis auf die romanische Kirche. Es zeigt ein menschliches Antlitz mit darüber verlschungenen Drachen, die die Bedrohung des Menschen durch die Mächte der Finsternis versinnbildlichen. Die Art der Bearbeitung lässt auf einen oberitalienischen Künstler schließen.

WallfahrtskircheDie nach dem Brand von 1448 errichtete gotische Kirche baute auf den romanischen Resten auf. Auch von diesem Gotteshaus zeugen heute nur wenige Spuren – so ein umgekehrter Säulenstumpf, der seit 1973 in der Lindenkirche als Opferstock dient.

Georg Sandbichler aus Schwaz baute nach dem dritten Brand (1637) die Kirche in barockem Stil wieder auf, wobei eine Mitwirkung des Innsbrucker Hofbaumeisters Christoph Gumpp möglich erschein.

Im Zug des Wiederaufbaues nach dem vierten Brand erhielt die heute den Heiligen Georg und Jakob geweihte - Kirche zwischen 1733 und 1738 weitgehend ihr gegenwärtiges Aussehen.

Wallfahrtskirche St. GeorgenbergDie Kirche ist eine auf rechteckigem Grundriss aufgebaute einschiffige Hallenkirche 82,5 m lang, 11 m breit und 11,6 m hoch). Je fünf mit Pilastern besetzte Pfeiler teilen die Langseiten in sechs flache Kapellen, deren geringe Tiefe den einheitlichen und kompakten Hallencharakter nicht stören.
Lediglich die Presbyterium von Kirchenschiff trennenden und mächtiger ausgeführten Pfeiler sind stärker in den Raum gezogen; der linke trägt die Kanzel, der rechte ein Kruzifix, wahrscheinlich spätgotischer Herkunft mit einem jüngeren Corpus. Die Pilaster aller Pfeiler weisen korinthische Kapitäle auf und tragen je ein Apostelkreuz.

Die Apostelkreuze sind Reste der barocken Kirche aus der Zeit vor dem vierten Brand. Bis zur Renovierung im Jahr 1990 war niemandem aufgefallen, dass die Wallfahrtskirche nur elf Apostelkreuze zählte; das zwölfte hatte im Jahr 1738 der Kanzel weichen müssen. Heute sind ordnungsgemäß zwölf Apostelzeichen vorhanden.
Über den Seitenkapellen verlaufen beiderseits Galerien, die Deckenbrüstungen aufweisen und durch die Pfeiler in Nischenabteile getrennt sind. Die einzelnen Nischen stehen durch schmale rundbögige Durchgänge miteinander in Verbindung. Die Nischenrückseiten werden von der Außenmauer der Kirche gebildet, die im Nischenbereich von hochgestellten Fenstern durchbrochen ist. Sie erinnern an romanische Bauelemente.

Der Boden der Kirche, dessen Marmorplatten der Schwazer Steinmetzmeister Franz Holzer im Jahr 1990 vollständig erneuerte, steigt dem Presbyterium zu leicht an. Der Altarraum selbst ist gegenüber dem Kirchenschiff stark überhöht – eine Folge der Felsformation, denn nur eine Handbreit unter dem Boden des Altarraumes stößt man auf gewachsenen Fels.
Wo der Hochaltar steht, ist die höchste Stelle des Georgenbergs.

Von Werner Sydow geleitete Grabungsarbeiten im Zuge der Renovierung von 1990 haben die Behauptung widerlegt, im Presbyterium würde sich eine Gruft befinden. Tatsächlich konnte in der Mitte der in den Altarraum führenden Stiege nur ein mit den Gebeinen mehrerer Personen gefülltes, in den Felsen geschlagenes und mit Ziegeln ausgemauertes Einzelgrab gefunden werden.
Der Zugang zur kleinen Klostergruft – sie beginnt unmittelbar hinter dem linken Kirchentor und reicht etwa drei Meter in das Kircheninnere – ist nur durch eine Öffnung im Boden möglich, die Gruft ist den Gläubigen daher nicht zugänglich.

Die Galerien münden von der nördlichen Giebelwand in die mit einer geschweiften Brüstung versehen Orgelimpore, die auf einen einem flachen Tonnengewölbe mit Stichkappen ruht. Die südliche Giebelwand ist für den Kirchenbesucher wegen des Aufbaues des Hochaltares nicht zu sehen. Die Galerien münden dort in einen Raum, der von zwei Flachbögen- und einem Rundbogenfenster erhellt ist. Im gedrückten Kreuzgewölbe dieses Raumes legte im Jahr 1990 Erwin Schweninger ein Fresko Johann Georg Hettingers, den hl. Benedikt darstellend, frei. Unter dem Raum befindet sich die Sakristei, die ebenfalls gewölbt ist.

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